Camellia sinensis – „Echter“ Tee vom Teestrauch

Camellia sinensis

Tee ist sehr vielseitig und kann aus verschiedensten Früchten und Kräutern aufgebrüht werden. Die klassische Teepflanze ist jedoch die Camellia sinensis, welche bereits seit Jahrtausenden vom Menschen kultiviert wird. Aus ihr kann „echter“ Tee gewonnen werden, wobei die Unterarten und verschiedene Verfahren der Verarbeitung eine Fülle an Geschmacksvariationen garantieren. Für zahlreiche Staaten stellt der Anbau der Pflanzenart, welche zur Gattung der Kamelien gehört, heute einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Ursprünglich stammt die Camellia sinensis aber aus China und wurde vermutlich zunächst gar nicht für den Teeaufguss verwendet.

Herkunft und Kultivierung der Teepflanze

Die Camellia sinensis wird weltweit vor allem in tropischen und subtropischen Regionen sowie in kühleren Höhenlagen angebaut. Seit wann sie vom Menschen genutzt wird, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Pflanze bereits vor 4000 Jahren als Heilkraut Verwendung fand und erst später als Teeaufguss genossen wurde. Die ältesten Belege für Tee aus der Camellia sinensis konnten auf das 1. Jahrhundert v. Chr. datiert werden und stammen aus der ehemaligen Stadt Chang’an.[1]

Bis heute ist es Forschern nicht gelungen, die wilde Form der Camellia sinensis ausfindig zu machen. Bisher in der Natur gefundene Teepflanzen sind laut wissenschaftlicher Analysen Ableger der domestizierten Pflanze und so ist nicht auszuschließen, dass der Wildtyp bereits ausgestorben ist. Die ersten Teebauern haben vermutlich bevorzugt Teesträucher angebaut und miteinander gekreuzt, die besondere Merkmale wie schnelles Wachstum, hohe Widerstandsfähigkeit gegen Insekten oder Beständigkeit gegen Hitze und Kälte aufwiesen. Durch diese gezielte Form der Züchtung ist im Laufe der Jahrhunderte die heute bekannte Camellia sinensis entstanden.[2]

Der Anbau der Teepflanzen hat sich seit Beginn der Kultivierung trotz des technologischen Fortschritts nur wenig verändert. Die Blätter der Pflanzen werden nach wie vor von Teebauern per Hand geerntet. Maschinelle Ernteverfahren werden zwar immer häufiger für die in Japan hergestellten Grünteesorten verwendet, kommen in China aber nur selten zum Einsatz. Auch die Anbauverfahren sind weitestgehend schonend und so verzichten gerade traditionsbewusste Teebauern auf Pestizide oder sonstige chemische Stoffe, die das Aroma der Pflanzen sowie die Gesundheit des Menschen negativ beeinflussen könnten.

Camellia sinensis: Inhaltsstoffe und Wirkung

Die Teepflanze besitzt einige positive Eigenschaften auf den menschlichen Organismus, die sie vor viertausend Jahren zu einem beliebten Heilmittel machten. Der hohe Koffeingehalt dürfte aber zunächst ausschlaggebend für ihre Verwendung gewesen sein. Ob der aus Afrika stammende Kaffee, Guarana aus Lateinamerika oder die Camellia sinensis aus Asien – menschliche Kulturen haben früh mit der Kultivierung von koffeinhaltigen Pflanzen begonnen. Bei Koffein handelt es sich um ein Gift, welches von Pflanzen zur Abwehr von Insekten gebildet wird, auf den Menschen allerdings eine anregende Wirkung besitzt.[3] Der Koffeingehalt von Tee aus der Camellia sinensis liegt je nach Sorte und Ziehzeit bei 10 bis 30 mg pro Tasse.

Des Weiteren besitzen die Blätter der Teepflanze größere Mengen an Polyphenolen wie Catechine und Flavanole. Diesen sekundären Pflanzenstoffen werden positive Einflüsse auf das Herz-Kreislauf-System sowie antioxidative, antibakterielle und antivirale Wirkungen nachgesagt. Zahlreiche Wissenschaftler beschäftigen sich daher mit der Pflanze und überprüfen ihr Potenzial für medizinische Zwecke.[4] Die Menge dieser Inhaltsstoffe unterscheidet sich je nach Teesorte, da einige Herstellungsverfahren die sekundären Pflanzenstoffe zerstören. So enthält zum Beispiel Grüntee mehr Catechine als schwarzer Tee, da er nicht fermentiert wird.

Die Camellia sinensis als Wirtschaftsfaktor

China hat bereits früh damit begonnen, Teepflanzen zu exportieren. Etwa 800 n. Chr. wurde die Camellia sinensis von buddhistischen Mönchen nach Japan gebracht und fand über die Seidenstraße weitere Abnehmer.[5] Der Anbau findet heute in zahlreichen Ländern rund um den Globus statt. Mit über 40 % der weltweit geernteten Teeblätter ist China Marktführer – gefolgt von Indien mit 21,4 %. Weitere Staaten mit einem nennenswerten Exportvolumen sind Kenia (7,1 %), Sri Lanka (4,6 %), Vietnam (4,1 %) und die Türkei (4,0 %). Auch wenn Tee aus Japan bekannt ist, produziert der Inselstaat lediglich 1,3 % der weltweit verfügbaren Menge.[6]

Die Camellia sinensis war in früheren Jahrhunderten jedoch besonders für China ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der in der Songzeit (960 – 1279) erfundene Pu-Erh-Tee, welcher sich durch ein besonderes Herstellungsverfahren auszeichnet, Jahrzehnte nachreifen kann und zu Ziegeln gepresst wird, war zeitweise sogar eine Ersatzwährung in einigen chinesischen Regionen, der Mongolei sowie Sibirien.

Verschiedene Teesorten aus der Teepflanze

Aufgrund kultureller, geografischer und historischer Unterschiede haben sich einige Länder auf die Herstellung bestimmter Teesorten spezialisiert. So ist Japan für grünen Tee wie den Sencha bekannt, wohingegen Indien einer der wichtigsten Produzenten von schwarzen und weißen Tees ist. Alle diese Teesorten werden aber aus der Camellia sinensis oder einer ihrer Unterarten hergestellt. Neben der Camellia sinensis existieren noch die Varietäten Camellia sinensis var. assamica, dehungensis und pubilimba sowie diverse Kreuzungen. Sie unterscheiden sich unter anderem in ihrer Größe, der Widerstandsfähigkeit und natürlich im Geschmack. Aufgrund der kräftigen Aromen der Camellia sinensis assamica wird diese zum Beispiel vorwiegend für fermentierten Tee, wie den Assam-Tee verwendet.

Die verschiedenen Verfahren der Weiterverarbeitung der Blätter sind aber der eigentliche Grund für die unterschiedlichen Teesorten aus der Teepflanze. Grüntee wird direkt nach der Ernte mit heißem Dampf behandelt, um die Oxidation zu verhindern. Schwarzer Tee wird hingegen zerkleinert, damit die austretenden Säfte einen Fermentationsprozess in Gang setzen können. Weitere Teesorten wie zum Beispiel weißer oder Oolong-Tee besitzen wiederum einen Fermentierungsgrad zwischen grünem und schwarzem Tee. Neben Einflüssen auf den Geschmack hat die Fermentierung der Blätter außerdem Auswirkungen auf die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe sowie den Koffeingehalt.

Camellia sinensis: auch für den heimischen Garten geeignet?

Der Teestrauch ist eine relativ robuste Pflanze, die in europäischen Gefilden jedoch nicht anzutreffen ist. Das Klima, vor allem aber die Wintermonate, machen es der Camellia sinensis nicht leicht. Die schwankenden Temperaturen mindern den Ertrag und schränken die wirtschaftliche Nutzbarkeit ein. Trotzdem können Teeliebhaber sich auch hierzulande ihre eigene Teepflanze züchten. Entscheidend ist ein heller Ort im Haus, an dem die Camellia sinensis überwintern kann. Der Teestrauch sollte in einem ausreichend großen Blumentopf angepflanzt werden. Da Teepflanzen schnell wachsen und zu groß für die Wohnung werden können, sollten sie außerdem regelmäßig gestutzt werden. Weder Regen noch höhere Temperaturen schaden dem Teestrauch, bei Temperaturen unter 10 Grad Celsius sollte die Camellia sinensis allerdings ins Haus geholt werden. Echte Teeliebhaber können so zwar nicht ihren Teebedarf für das ganze Jahr decken, hin und wieder einen Tee aus der eigenen Zucht zu trinken, ist aber auch eine schöne Erfahrung.

[1] https://www.spektrum.de/news/der-lange-weg-zur-teekultur/1679600

[2] Ebd.

[3] https://www.deutschlandfunkkultur.de/genussmittel-kaffee-als-gesundheitselixier.993.de.html?dram:article_id=370518

[4] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-202018/genussgetraenk-mit-zusatznutzen/

[5] https://www.gruenertee.com/gruentee/geschichte/japan/

[6] http://www.fao.org/faostat/en/#data/QC

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